"Was geht denn hier ab?"


Auch wenn es auf den ersten Blick seltsam oder gar wie ein Widerspruch klingt: Zur Demut gegenüber Gott gehört untrennbar auch die Sorge um die Welt (vgl. Jer. 29,7; Mt. 5,13-14), die seine Schöpfung ist (vgl. 1. Mo. 1,28. Die altorientalische Botenformel an dieser Stelle, weist darauf hin, dass "Besitz" nicht Eigentum ist, und "herrschen" eigentlich "verwalten im Sinne des eigentlichen Eigentümers" bedeutet. Dieser kann erwárten, dass seine Verwalter sorgsam - "in seinem Sinn" - mit dem überlassenen Gut umgehen) und um die Mitmenschen, sind wir doch dazu geschaffen, dass es anderen gut geht (vgl. 1. Mo. 2,18. Der Mensch [nicht Mann!] bekommt eine Hilfe. Schon mit der Geburt ist es menschlicher Lebenssinn, Hilfe für andere zu sein - unabhängig vom Geschlecht oder was in diese Stelle sonst noch an Frauenfeindlichem hineinphantasiert wird). Zu dieser Sorge gehört es, die Zustände von Welt und Gesellschaft zu analysieren, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen und sie - wo möglich - zu korrigieren.

Dabei stelle ich immer wieder verdutzt fest, dass ich entweder nur älter werde oder aber meine Gehirnwindungen und Logik irgendwie anders sind als bei anderen Menschen. Und die Momente häufen sich, in denen ich verzweifelt denke: "Ich glaub ich steh im Wald", egal ob es daraum geht, dass derzeit viele Länder (allen voran die Welt- und Atommächte) am Virus Populismus leiden (inklusive [auch religiöse] Radikalisierung und "Rechtsruck"), technisches Spielzeug (wie Smartphones, Internet oder KI) immer mehr den Alltag tyrannisiert, eine Papier- und Regulierungswut unser Leben verkompliziert, sich Menschen gegenseitig ausbeuten und umbringen, Werte (wie Mitmenschlichkeit, Ehrlichkeit oder Hilfsbereitschaft) radikal von Versatzstücken (wie ein ominöses "christliches Abendland", Besitz, Sicherheit, Gesundheit) abgelöst werden oder Bildung durch technisches Wissen substituiert wird.

Schon moderne Sprache bringt mich ganz durcheinander. Da behauptet eine Firmenkette "Wir kaufen Dein Auto". Wieso erlaubt sich da jemand, den ich gar nicht kenne, mit mir völlig respekt- und distanzlos "per Du" zu reden? Zudem wurde ich nie gefragt, ob ich überhaupt verkaufen will. Wie kann man etwas kaufen, ohne den Verkäufer zu fragen? Ich hab aus Neugier mal auf der Internet-Seite nachgeschaut und war erstaunt: Ein Käufer, der etwas haben und erwerben will, fragt normalerweise zuerst nach dem Preis, den sich der Verkäufer vorstellt. Die dagegen geben den Kaufpreis über irgendwelche Listen und Berechnungen vor. Dabei könnte das, was die ja anscheinend haben wollen, ja einen viel höheren, ideellen Wert für den Eigentümer haben ...

Auch wenn das Besipiel vielleicht etwas spitzfindig ist und die meisten Leute die "uneigentliche Rede" des Firmen-Verbund-Namens verstehen - Sprache verrät etwas von Inhalt und Selbstverständnis der Redenden. Zumindest ist nachdenkenswert, dass Viele auf "Wir kaufen Dein Auto" besser anspringen als auf "Wir kaufen Autos an, wenn sich Eigentümer auf unseren Preis einlassen". Da unterscheidet sich die Firmenkette nicht vom Tagesgeschäft von jedem Gebrauchtwagenhändler.

Natürlich sind die folgenden Themen nicht immer "so banal". Aber alle wollen sie aufrütteln, zum Nachdenken und v.a. Reagieren anregen. Denn es ist längst an der Zeit nicht alles ungeprüft "mit sich [und anderen] machen zu lassen". Und Gesellschaft und ihre Zustände ändern sich nicht von allein, sondern nur, wenn Viele Veränderungen wollen und ihre Stimme einbringen.


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Kleine Autofahr-Philosophie