Plädoyer für eine Re-form-ation des Pfarramts

Es ist erstaunlich: Welt und Gesellschaft in Mitteleuropa verändern sich seit gut 150 Jahren radikal und seit den 1960er Jahren immer schneller - und so auch das Gemeindepfarramt. Gesellschaft differenziert sich immer mehr. Immer neue, komplexere Umstände zwingen zur Professionalisierung und Spezialisierung (aus dem Autmechaniker, der alles rund ums KfZ konnte und machte, wurden z.B. Mechatroniker, Karrosseriebauer und Lackierer). Das Pfarramt aber verändert sich nur in eine Richtung: Jede neue Entwicklung führt zu einem neuen "on top", während gleichzeitig jedes Aufgabenfeld immer noch professioneller bedient werden soll. Reichte es z.B. noch vor 30 Jahren, wenn Pfarrer/innen im Religionsunterricht biblische Geschichten erzählten und Lieder auswendig lernen ließen, sollen sie heute pädagogisch wertvollen, methoden- und medienvielfältigen, binnendifferenzierten und natürlich guten (an pädagogischen Standards orientierten) Unterricht bieten und das noch in jeder Schulart, in die man sie entsendet. In vielen Dingen und Grundlagen ist das Pfarramt dabei immer noch in den Strukturen und im Selbstverständnis des Landesherrlichen Kirchenregiments bzw. des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts verhaftet.

 

Zum allgemeinen - offenen oder latenten (manche Kolleg/innen verschließen die Augen so lange davor, bis sie selbst in Burnout oder Scheidung stecken) - Leidensdruck, der noch viele weitere Ursachen hat, kommen alle sechs Jahre Pfarrplan-Debatten mit düsteren Zukunftsvisionen von größeren Parochien, zunehmenden Bestattungen und rückläufigen Geldern, Mitgliederzahlen oder schwindender Akzeptanz des Berufes, von Kirche usw.

 

Meiner Meinung nach wäre es dringend an der Zeit nicht nur halbherzige Reförmchen (wie z.B. die Schaffung neuer Gemeindemodelle wie Verbundkirchengemeinden) und Schönheitskorrekturen (Errichtung von sehr wenigen Diakonenstellen o.ä.) vorzunehmen. Die "500-Jahre-Reformation" Feiern hätten die Initialzündung sein können bzw. müssen, sich auf die biblischen Wurzeln des Pfarramtes zu besinnen und dieses Amt radikal zu reformieren. Das ist meines Erachtens leider weitgehend komplett ausgeblieben.

 

Weil ich eine radikale Ämterreform für überlebenswichtig für die Institution Württembergische Landeskirche halte, habe ich mich (als betroffener Amtsträger) mit den biblischen Grundlagen des Pfarramts auseinandergesetzt und daraus Schlüsse für eine nachhaltige Reform des Pfarramts gezogen. Da der Text ziemlich lang geraten ist, kann er hier nicht komplett dargestellt werden. Wer ihn lesen möchte, kann den diesen Link (zur pdf, die bei Filehorst.de abgelegt ist) anklicken und den gesamten Text - mit Herleitung und Begründungen - aufrufen und downloaden. Der Load dauert etwas, wurde aber geprüft und funktioniert und die Datei ist (selbst wenn Chrome oder Firefox etwas anderes behaupten sollten) garantiert virenfrei.

 

Hier finden sich nur die zusammenfassenden Thesen:

Zehn Thesen zu einer „Re-Form-ation“ von Pfarrdienst und Gemeinden:

These 1: Die radikalen Zahlen der Pfarrpläne 2024 und 2030 bieten die Chance, wahre Probleme des Pfarrdienstes zu erkennen und diesen radikal, auch und gerade strukturell, zu „re-form-ieren“, statt an Symptomen zu laborieren und aktuelle Missstände und Problemanzeigen lediglich zu verschlimmbessern. Dabei dürfen Pfründe oder Traditionen nicht die wichtigste Rolle spielen, sondern Schrift und Bekenntnisschriften.

 

 

These 2: Auch reformatorische Kirche an sich benötigt (gerade als ecclesia semper reformanda) dringend „Re-Formen“, die sich an Schrift und Bekenntnisschriften und nicht unsachgemäßer Modernisierung orientieren und wieder mehr „evangelisches“ Profil. Die Orientierung an Mitgliederzahlen, gesellschaftlicher Akzeptanz oder Steuereinnahmen ist zu beenden.

 

 

These 3: Kirche braucht eine klare Ekklesiologie und eine Klärung, was zwingend zu ihren Lebensäußerungen gehören muss und was optionale Sahnehäubchen sind. Dabei ist auch zu klären, welche Aufgaben dringend von einem Dachverband oder einer Region übernommen werden müssen und welche vor Ort geregelt werden können (Subsidiarität). Ggf. braucht es da Neuorientierungen und -bestimmungen.

 

 

These 4: Das Hirtenamt müsste, biblisch orientiert, arbeitsteilig verändert und hinsichtlich der Aufgabenfülle deutlich „entrümpelt“ werden. Dabei ist das Verhältnis der Aufgaben im Verhältnis von Amtsträger/innen zum Priestertum aller Gläubigen ganz neu zu bedenken.

 

 

These 5: Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit muss das Verhältnis zwischen Gemeindegliedern und Amtspersonen grundsätzlich richtiggestellt werden, so dass (wieder) ins Bewusstsein kommt, dass Kirche kein Dienstleistungsunternehmen (Versorgungs- oder Pastorenkirche) ist, sondern Dienstgemeinschaft (Mitmachkirche).

 

 

These 6: Das Hirtenamt müsste ortsgebunden (inkl. Befreiung von übergemeindlichen Pflichten) und unbefristet sein.

 

 

These 7: Gemeindezucht und Kampf gegen Irrlehre, die Aufgaben, die dem Hirtenamt erst einen nachhaltigen Sinn geben, müssen amtskirchlich wieder „gesellschaftsfähig“ werden.

 

 

These 8: Gemeindegrößen mit deutlich mehr als 500 Gemeindegliedern erschweren ernsthaftes und gelingendes Hirtenamt und schädigen Amtsträger/innen, Ortsgemeinden und Kirche nachhaltig. Kirchenleitung muss neue, auch strukturelle, Wege suchen, wie die, auf Intimität und Vertrautheit angelegte, Arbeit von Hirt/innen gelingen kann.

 

 

These 9: Für Aufgaben, die biblisch betrachtet, anderen Ämtern zugeordnet werden müssen, sind auch neue Ämter zu schaffen oder bestehende zu überarbeiten. Das Verhältnis überörtlicher oder sonstiger Ämter zum Gemeindeleitungsamt muss landeskirchenweit bestimmt und geregelt werden.

 

 

These 10: Alle haupt-, neben- und zentralen ehrenamtlichen Amtsträger/innen (wie Kirchengemeinderäte/innen), die Aufgaben haben, die für Kirche lebensnotwendig sind, brauchen eine fundierte, theologische Ausbildung, zumindest eine vertiefte Kenntnis von Schrift und Bekenntnisschriften. Ausbildungsgänge, bei denen grundlegende, theologische Inhalte, bestenfalls „gestreift“ werden, können nicht als Zugangsvoraussetzungen in kirchliche Ämter akzeptiert werden, genauso wenig wie Ausbildungen an Ausbildungsstätten, deren theologische Ausrichtung nicht der der Landeskirche entspricht (hier braucht es zumindest sehr detaillierte Einzelfallprüfungen).

 

These 1: Die radikalen Zahlen der Pfarrpläne 2024 und 2030 bieten die Chance, wahre Probleme des Pfarrdienstes zu erkennen und diesen radikal, auch und gerade strukturell, zu „re-form-ieren“, statt an Symptomen zu laborieren und aktuelle Missstände und Problemanzeigen lediglich zu verschlimmbessern. Dabei dürfen Pfründe oder Traditionen nicht die wichtigste Rolle spielen, sondern Schrift und Bekenntnisschriften.

 

 

These 2: Auch reformatorische Kirche an sich benötigt (gerade als ecclesia semper reformanda) dringend „Re-Formen“, die sich an Schrift und Bekenntnisschriften und nicht unsachgemäßer Modernisierung orientieren und wieder mehr „evangelisches“ Profil. Die Orientierung an Mitgliederzahlen, gesellschaftlicher Akzeptanz oder Steuereinnahmen ist zu beenden.

 

 

These 3: Kirche braucht eine klare Ekklesiologie und eine Klärung, was zwingend zu ihren Lebensäußerungen gehören muss und was optionale Sahnehäubchen sind. Dabei ist auch zu klären, welche Aufgaben dringend von einem Dachverband oder einer Region übernommen werden müssen und welche vor Ort geregelt werden können (Subsidiarität). Ggf. braucht es da Neuorientierungen und -bestimmungen.

 

 

These 4: Das Hirtenamt müsste, biblisch orientiert, arbeitsteilig verändert und hinsichtlich der Aufgabenfülle deutlich „entrümpelt“ werden. Dabei ist das Verhältnis der Aufgaben im Verhältnis von Amtsträger/innen zum Priestertum aller Gläubigen ganz neu zu bedenken.

 

 

These 5: Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit muss das Verhältnis zwischen Gemeindegliedern und Amtspersonen grundsätzlich richtiggestellt werden, so dass (wieder) ins Bewusstsein kommt, dass Kirche kein Dienstleistungsunternehmen (Versorgungs- oder Pastorenkirche) ist, sondern Dienstgemeinschaft (Mitmachkirche).

 

 

These 6: Das Hirtenamt müsste ortsgebunden (inkl. Befreiung von übergemeindlichen Pflichten) und unbefristet sein.

 

 

These 7: Gemeindezucht und Kampf gegen Irrlehre, die Aufgaben, die dem Hirtenamt erst einen nachhaltigen Sinn geben, müssen amtskirchlich wieder „gesellschaftsfähig“ werden.

 

 

These 8: Gemeindegrößen mit deutlich mehr als 500 Gemeindegliedern erschweren ernsthaftes und gelingendes Hirtenamt und schädigen Amtsträger/innen, Ortsgemeinden und Kirche nachhaltig. Kirchenleitung muss neue, auch strukturelle, Wege suchen, wie die, auf Intimität und Vertrautheit angelegte, Arbeit von Hirt/innen gelingen kann.

 

 

These 9: Für Aufgaben, die biblisch betrachtet, anderen Ämtern zugeordnet werden müssen, sind auch neue Ämter zu schaffen oder bestehende zu überarbeiten. Das Verhältnis überörtlicher oder sonstiger Ämter zum Gemeindeleitungsamt muss landeskirchenweit bestimmt und geregelt werden.

 

 

These 10: Alle haupt-, neben- und zentralen ehrenamtlichen Amtsträger/innen (wie Kirchengemeinderäte/innen), die Aufgaben haben, die für Kirche lebensnotwendig sind, brauchen eine fundierte, theologische Ausbildung, zumindest eine vertiefte Kenntnis von Schrift und Bekenntnisschriften. Ausbildungsgänge, bei denen grundlegende, theologische Inhalte, bestenfalls „gestreift“ werden, können nicht als Zugangsvoraussetzungen in kirchliche Ämter akzeptiert werden, genauso wenig wie Ausbildungen an Ausbildungsstätten, deren theologische Ausrichtung nicht der der Landeskirche entspricht (hier braucht es zumindest sehr detaillierte Einzelfallprüfungen).